Mordlust (Shahondin)

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Steff
Hüter der Geheimnisse
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Mordlust (Shahondin)

Beitrag von Steff » So 17. Mär 2013, 22:31

Diesmal ein düsteres Thema, der Beginn der langen Fehde zwischen Shahondin und Emerelle.
Wie immer wünsche ich viel Lesevergnügen!

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"Für dein Leben wird sie mit hunderten bezahlen!"
Seine Fingernägel gruben sich in seine Handballen, wie Spaten in weiche Erde. Sein ganzer Körper war angespannt wie die Sehne eines Bogens unmittelbar vor dem Schuss. Seine eigenen Worte konnte er nicht vernehmen, so stark pulsierte das Blut in ihm und betäubte sein Gehör.
Der Fürst Arkadiens lag blass und leblos in seinem Bett.
Ebenso leblos wie der Körper seines Vaters hatte sich Shahondin bis vor wenigen Herzschlägen noch gefühlt. Er wusste nicht, wie lange es her war, dass die Wachen des Fürsten in seine Gemächer gekommen waren, um ihn zu holen. Wie lange er stumm hier stand und spürte, wie seine Welt zerbrochen war.
Bis die Wut gekommen war. Die Wut, die allen Zweifel und alle Trauer fraß.
"Keine Macht, keine Mauern und keine Armeen werden sie schützen können."
Es war ein natürlicher Tod gewesen. Das zumindest hatten die Wachen und Mägde vermutet. Doch Shahondin, des Fürsten ältester Sohn, wusste es besser. Zu lange schon war der Fürst Arkadiens ein Konkurrent für Emerelle im Kampf um den Thron Albenmarks gewesen. Bis zuletzt war seine Position durch mächtige Verbündete und geschickte Schachzüge stetig stärker geworden. Der Plan nach dem Griff der Schwanenkrone war langsam zur Realität geworden.
Nun war der Fürst tot. Doch Emerelle hatte nicht nur einen Rivalen verloren, sie hatte einen Todfeind gewonnen. Hatte das Vorhaben seines Vaters je den Tod Emerelles in einem Ausnahmefall verlangt, so war er nun unabdingbar. Sie würde büßen und jene, die für sie kämpften, würden neben ihr zugrunde gehen.
Die Königin würde für diesen Meuchelmord bezahlen, nicht nur mit dem Leben. Seine Taten würden sie verfolgen, in ihren Träumen heimsuchen. Alles was ihr lieb und teuer war würde seiner Rache zum Opfer fallen. Bis die stolze Königin zerbrach.
Wer immer diesen Mord verübt hatte, musste Spuren hinterlassen haben. Es war nicht das erste Mal, dass ein rätselhafter Todesfall einen der Rivalen im Machtspiel um die Krone ereilte. Doch Shahondin würde auch den Handlanger der Königin finden und er würde eines weitaus grausameren Todes sterben als je ein Albenkind vor ihm.
Wieder blickte er auf die im fahlen Licht der Kerzen weißlich schimmernden Züge seines toten Vaters. Nach ihm würde Shahondin die Fürstenkrone Albenmarks tragen.
In diesem Moment klopfte es an der Tür. Shahondin wollte schon auffahren und den Neuankömmling aus den Gemächern seines Vaters verbannen, als Vahelmin eintrat. Sein Sohn blickte für den Bruchteil eines Herzschlags auf den Leichnam, ehe er mit wenigen schnellen Schritten vor ihm stand und in die Knie ging.
"Mein Fürst", sagte er mit inbrünstiger Stimme, "Du hast meine Treue. Und ich schwöre, dass ich nicht eher ruhen werde, bis dieser Mord gerächt wurde."
Shahondin war stolz zu bemerken, dass sich sein Sohn nicht von der Idee eines natürlichen Todes blenden ließ, sondern die Wahrheit hinter diesem Komplott erkannte.
Er bedeutete Vahelmin, sich zu erheben und erinnerte sich daran, was ihm sein Vater stets vor Augen gehalten hatte: Der Zusammenhalt dieser Familie würde über Gelingen oder Scheitern ihrer Pläne entscheiden. So mächtig ihre Verbündeten auch sein mochten, sie waren unbedeutend, wenn es innerhalb ihrer Familie keine Einigkeit gab, die alles zusammenhielt wie Mörtel eine Mauer.
"Heute Nacht ist der Anfang allen Übels für Emerelle und ihre Speichellecker. Zu lange sitzt die Krone schon auf ihrem Haupt. Sie wurde leichtsinnig, uns einen solch zwingenden Grund für einen Angriff zu geben. Doch das wird sie noch bereuen ..."
Vahelmin nickte stumm. In seinen Augen brannte Entschlossenheit. "Meine Tochter könnte zu einem wichtigen Schlüssel zur Vernichtung Emerelles werden. Ihre Lehrer sagen, eine solche Veranlagung für die Magie haben sie noch niemals zuvor gesehen."
Shahondin sog tief die Luft ein. Er wusste, dass er mehr auf die Talente seiner eigenen Nachkommen setzen musste als auf die seines unseligen Bruders. Dessen Frau befand sich in der zweiten Schwangerschaft, doch bereits ihr erster Versuch hatte einen Jungen hervorgebracht, der zwar hübsch anzusehen war, doch keinerlei hervorstechendes Geschick für Strategie oder Zaubermacht aufbrachte.
"Lyndwyn wird neue Lehrer bekommen, die ihr volles Potential entfalten können. Doch eines nach dem anderen... Ich nehme an, der gesamte Hofstaat ist mittlerweile auf den Beinen und setzt die wildesten Gerüchte in die Welt?"
Sein Sohn nickte erneut: "Sie erwarten dein Erscheinen, sie wollen ihren neuen Fürsten sehen."
"Das sollen sie. Sag ihnen ich werde kommen." 'Und nie wieder gehen."
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